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eCall - der Standard für Auto-Notrufsysteme

ecall

(2013) Mit dem Ziel, die Anzahl der derzeit mehr als 30.000 jährlichen Verkehrstoten in ganz Europa signifikant zu senken, beschloss die Europäische Kommission am 8. September 2011 die Einführung des standardisierten automatischen Auto-Notrufsystems eCall (Emergency Call; engl. für Notruf), welches ab 2015 verpflichtend in allen in Europa hergestellten und/oder vertriebenen Neuwagen und kleineren Lastfahrzeugen zu integrieren ist.

Das eCall-System besteht aus einem GPS- (Global Positioning System; engl. für Globales Positionierungs-System) sowie einem GSM-Modul (Global System for Mobile Communications; engl. für einen Standard für volldigitale Mobilfunknetze) sowie einer Reihe von Druck-, Lage- und Stoßsensoren, mit denen schwere Unfallsituationen erkannt werden sollen. Kommt es zu einem Unfall, wird automatisch ein digitaler Notruf - der sogenannte eCall - an eine hierfür noch zu schaffende zentrale europäische Notrufnummer abgesetzt, wobei der verschickte Datensatz die exakte Position des Unfalls und die Fahrtrichtung sowie festeingestellte Informationen zur Identifikation von Fahrzeug und Service Provider an die zuständige Notrufzentrale verschickt. Im Idealfall sollten Rettungskräfte somit innerhalb von nur wenigen Minuten nicht nur alarmiert sein, sondern auch über exakte Angaben zur Position des Unfalls und zur Anzahl der darin verwickelten Fahrzeuge verfügen.

Neben diesen Pflichtangaben ließen sich - ausgehend von Art und Umfang der im Fahrzeug eingebauten Navigations- und Sicherheitssensorik - durchaus auch noch weitere Informationen übertragen, die für die Vorbereitung der Notfallbehandlung von Relevanz sein könnten, so etwa die Anzahl der Insassen zum Zeitpunkt des Unfalls (ermittelt über Drucksensoren in den Sitzen), die Geschwindigkeit des Aufpralls (ermittelt über das Navigationssystem des Fahrzeugs) sowie die aktuelle Lage und Position des Automobils (Befindet sich das Fahrzeug noch auf der Straße? Ist es in eine seitliche Position gekippt oder liegt es auf dem Dach? etc. pp.).

Das eCall-System entfaltet seine lebensrettende Wirkung vor allem bei Unfällen, die sich außerhalb stark befahrener Straßen ereignen, so dass schwer verletzte Personen möglicherweise eine ganze Weile nicht bemerkt werden und damit nicht geborgen und versorgt werden können. Ereignet sich ein Unfall auf einer Autobahn, gehen erfahrungsgemäß binnen weniger Minuten mehrere manuelle Notrufe von anderen Autofahrern bei den Rettungsleitstellen ein. Ereignet sich ein Unfall dagegen auf einer wenig befahrenen Landstraße und sind die Insassen des verunfallten Wagens so schwer verletzt oder im Auto verklemmt, dass sie selbst keinen Notruf absetzen können, kann es mitunter Stunden dauern, bis das Unfallfahrzeug entdeckt wird. Die für das Überleben von schwer verletzten Personen kritische Zeitspanne kurz nach dem Unfall kann somit nicht optimal für die medizinische Versorgung genutzt werden. Hier soll das eCall-System mit seiner automatischen Positionsübermittlung Abhilfe schaffen und den Rettungskräften im Kampf gegen die Zeit wertvolle zusätzliche Minuten liefern. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) schätzt, dass ein solches System europaweit etwa 2.500 Menschenleben pro Jahr retten könnte, wenn es flächendeckend in allen Fahrzeugen verfügbar wäre.

Das eCall-System, das den Geldbeutel von Neuwagenkäufern mit weniger als 100 Euro belasten soll, stößt jedoch auf datenschutzrechtliche Bedenken. Da die Kommunikation mit der Notrufzentrale über das Mobilfunknetz erfolgt, könnte eCall auch für die dauerhafte Überwachung von sich in Bewegung befindlichen Fahrzeugen genutzt werden - durchaus auch mit Wissen der Fahrzeughalter. So existieren bereits heute technische Ansätze, mit denen eCall für die Kontrolle der Fahrweise durch Autoversicherungen genutzt werden könnte. In einem solchen Szenario würde jeder Fahrzeughalter, der die entsprechenden Informationen für die Versicherung freigibt, mit einer Prämie belohnt werden - und dürfte sich bei nachgewiesenermaßen schonender Fahrweise über sinkende Versicherungskosten freuen. Um derartigen Überlegungen bzw. sich daraus ergebenden Befürchtungen in datenschutzrechtlicher Hinsicht entgegenzuwirken, drängt die EU derzeit jedoch darauf, eCall als sogenanntes "schlafendes System" in den Markt zu bringen, das überhaupt erst dann aktiviert wird, wenn die Sensorik einen Unfall von mittlerem bis hohem Schweregrad meldet. Auf diese Weise würde unterbunden, dass Fahrzeuge mit einem dauerhaft aktiven Mobilfunksender auf europäischen Straßen unterwegs sind - und so den Bedenken der Datenschützer entsprochen, die eine totale Überwachung des fließenden Verkehrs befürchten.

Derzeit ist knapp unter einem Prozent der in Europa zugelassenen Fahrzeuge bereits mit einem eCall-System ausgestattet. Ab 2015 - dem Jahr der verpflichtenden Einführung von eCall für Neuwagen - dürfte die eCall-Nutzerquote jährlich um zwei bis drei Prozent ansteigen, wobei noch auf Jahrzehnte damit gerechnet werden muss, auf europäischen Straßen auf Gebrauchtwagen aus zweiter, dritter oder vierter Hand zu treffen, die nicht über die eCall-Technik verfügen. Die durch den ADAC prognostizierte Abnahme von Verkehrstoten um acht bis neun Prozent unter der Vorbedingung einer flächendeckenden Nutzung von eCall dürfte damit noch einige Jahrzehnte auf sich warten lassen. Erste Resultate müssten sich jedoch bereits ab 2015 einstellen - basiert man eine Schätzung auf den bisherigen Annahmen des ADAC, so wäre bereits in 2016 mit einem Rückgang der Todesopfer um etwa 100 bis 150 pro Jahr zu rechnen - ob ein solcher Rückgang sich allerdings schon statistisch nachweisen lassen wird, darf allerdings als fraglich gelten.